Zuletzt aktualisiert: 18. März 2021

Wem Joggen zu monoton ist und wer sich nicht im Straßenverkehr der Gefahr aussetzen will, der ist schnell beim Schwimmen angelangt, um im kühlen Nass seinen Körper zu trainieren. Ob Brustschwimmen, Kraulschwimmen oder Delphinschwimmen, für jeden ist die passende Art dabei, sich im Wasser fortzubewegen.

Aber wie gesund ist Brustschwimmen? Werden die Gelenke dabei wirklich so sehr geschont, wie man oft hört und eignen sich andere Sportarten vielleicht besser um Kalorien zu verbrennen? Im folgenden Artikel werden wir Klarheit zu diesen Fragen schaffen und dabei objektiv die Fakten darlegen.




Das Wichtigste in Kürze

  • Brustschwimmen ist ein beliebter Schwimmstil, den die meisten Menschen als erstes lernen, wenn sie Schwimmen lernen. Für ungeübte Personen, kann die richtige Technik aber durchaus kompliziert sein.
  • Unter den vier großen Schwimmstilen Kraulschwimmen, Rückenschwimmen, Delphinschwimmen und Brustschwimmen, ist Brustschwimmen der körperlich anstrengendste Schwimmstil.
  • Um die richtige Technik zu erlenen empfihelt es sich Schwimmunterricht bei einem geschulten Trainer zu nehmen.

Brustschwimmen und die Gesundheit: Was du wissen solltest

Der Gedanke beim Brustschwimmen ist, dass anders als beim Sport treiben auf Land, im Wasser nicht so viel Schwerkraft auf den Körper einwirkt. Somit soll bei Bewegungen im Wasser nicht so viel Gewicht auf die einzelnen Gelenke des Körpers drücken. Besonders nach einer Operation an den Gelenken soll Schwimmen eine schonende Alternative sein, Sport zu treiben.

Was bringt Brustschwimmen für die Gesundheit?

Zuerst einmal kann Schwimmen die Ausdauer stärken. Dabei ist es egal ob man Brustschwimmen, Kraulschwimmen oder Delphinschwimmen ausführt.  Die Ausdauer kann nicht nur in den Muskeln der Beine, Arme und des Rumpfes gesteigert werden, sondern besonders in den Lungen.

Der Grund dafür ist, dass beim Schwimmen das Wasser von allen Seiten auf den Brustkorb drückt und man die Lungen gegen einen zusätzlichen Druck, den man auf Land nicht hat, aufbläht. Durch ein gesteigertes Lungenvolumen verbessert sich demnach die Pump-Leistung des Herzens, was sich wiederum positiv auf den Kreislauf auswirkt.

Laut CDC (Center for Disease Control and Prevention) können etwa zweieinhalb Stunden sportlicher Aktivität pro Woche das Risiko chronischer Erkrankungen senken (3). Dies gilt sowohl für Schwimmen als auch für Joggen und Fahrradfahren.

Schont Brustschwimmen die Gelenke?

Die richtige Motorik beim Schwimmen kann zu einer komplizierten Geschichte werden. Es kann schnell der Fall eintreten, dass man falsch im Wasser liegt, wenn man die Arme und Beine nicht gleichzeitig bewegt.

Sollten die Bewegungen richtig ausgeführt stellt das Schwimmen für manche Menschen dennoch eine große Belastung dar. Dr. Andreas Bieder von der Sporthochschule Köln erklärt dazu, dass aus orthopädischer Sicht eher Rücken oder Kraulschwimmen empfohlen wird, statt Brustschwimmen.

Das Problem beim Brustschwimmen ist die Rückenbeuge, die man ausführt, um das Gesicht aus dem Wasser zu heben und Luft zu holen.

Das wirkt sich zum einen negativ auf die Gelenke aus, zum anderen wird durch die Beinbewegung, die die Innenseite der Knie beansprucht. Menschen mit Knieproblem oder Arthrose stellt besonders die Grätsch-Stellung vor schmerzhafte Probleme (1, 2). Betroffene Personen holen sich hier besser eine Schwimmhilfe als Unterstützung.

Kann man durch Brustschwimmen abnehmen?

Pauschal kann man sagen, dass Schwimmen beim Abnehmen helfen kann, da man sich bewegt und dementsprechend auch Energie verbraucht.

Es spielt dabei keine besondere Rolle, ob man die Energie an Land oder im Wasser verbraucht. Wie gut Schwimmen beim Abnehmen hilft wurde 2019 durch polnische Wissenschaftler in einer Studie untersucht. Hierbei wurde analysiert, wie sich ein zwölfwöchiges Schwimmtraining auf den Körper junger Frauen auswirkt.

brustschwimmen

Bei vielen Schwimmstilen, wie dem Brustschwimmen stellt der Bewegungsablauf eine perfekte Symbiose zwischen Atmung und Koordination dar. (Bildquelle: Brian Mantangalo/unsplash)

Die Probanden mussten dabei dreimal pro Woche je eine Stunde schwimmen. Das Ergebnis war enttäuschend, da das Training keinen merklichen Einfluss auf das Gewicht der Probanden hatte. Dazu ist zu sagen, dass das Essen in der Studie nicht reguliert wurde und die Probanden ihr Essverhalten nicht an das Training angepasst haben (5).

Wieviel Kalorien verbraucht Brustschwimmen?

Stellt man sich die Frage nach dem Abnehmen, kommt man unweigerlich auf den Kalorienverbrauch. Wieviel Kalorien verbrennt Schwimmen und sind es mehr als beim Joggen?

Eine klinische Studie der May Clinic hat sich 2019 genau diese Frage gestellt und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass es zu sehr von dem Individuum abhängt, als das man eine pauschale Antwort treffen könnte.

Es wurde jedoch eine Rechnung  für eine Person angestellt, die 73 kg wiegt und ein moderates Schwimmtraining durchführt. Diese Person konnte in einer Stunde mit Schwimmen 400 Kalorien verbrennen, mit Joggen waren es im gleichen Zeitraum jedoch 600 Kalorien(6).

Dazu ist zu bemerken, dass sich verschieden Sportarten in der Dauer und Intensität der Ausführung unterscheiden und man individuell für sich die passende Sportart finden muss.

Welche Fehler kann man beim Brustschwimmen machen?

Möchte man, ohne vorher einen Schwimmkurs besucht zu haben eigenständig sein Training beginnen, ist die Möglichkeit für Fehler groß. Die erste große Hürde hierbei ist, so banal es klingt die richtige Atmung.

Führt man die Atmung nicht gleichzeitig und im Einklang mit seinen Bewegungen aus wird der ganze Ablauf des Schwimmens sehr anstrengend. Dabei ist zu bedenken, dass der Kopf bei den meistens Schwimmtechniken, die meiste Zeit unter Wasser ist und man daher nur sehr kurze Zeit zum Ein -und Ausatmen hat.

Sportart Kalorienverbrauch 60 kg
Joggen 12km/h 720
Reiten 300
Brustschwimmen 600
Rückenschwimmen 540

Der erste Fehler mit der Atmung führt dann zwangsläufig  zu dem zweiten häufigen Fehler, der Körperhaltung. Brustschwimmen ist die Schwimmart, die in Deutschland meistens zuerst unterrichtet wird und gerade hier kann eine falsche Körperhaltung Folgen haben.

Beim Brustschwimmen gibt es viele Menschen, die ihren Kopf unter Zwang aus dem Wasser strecken wollen. So hat man zwar die Möglichkeit jederzeit ein- und ausatmen zu können, aber die Muskeln in Nacken und Wirbelsäule verkrampfen sich und stehen dadurch unter stetiger Belastung (7).

Welche Muskeln werden beim Brustschwimmen beansprucht?

Viele Leute, die nur gelegentlich schwimmen, nehmen Brustschwimmen als die angenehmste Art des Schwimmens wahr. Das liegt daran, dass durch die Brustlage im Wasser Brustschwimmen am wenigstens anstrengend ist.

Dazu kommt, dass die Beine einen großen Teil der Antriebskraft übernehmen und bei den meisten Menschen schon durch den Alltag „trainiert“ sind. Für das richtige Brustschwimmen wird nämlich eine ganze Reihe von Muskeln beansprucht. Wird es technisch richtig ausgeführt ist Brustschwimmen im Vergleich zum Kraul- oder Rückenschwimmen der kraftaufwendigste Schwimmstil.

So werden die Muskeln des Unter- und Oberarms beansprucht, um mit den Händen eine Schaufel zu bilden. Durch die Züge im Wasser wird zudem die Schultermuskulatur, so wie intensiv der große Rückenmuskel auf beiden Seiten trainiert. Wie der Name schon verrät, wird durch die Armbewegung natürlich auch die Brustmuskeln belastet.

brustschwimmen

Für das Abnehmen durch Schwimmen gilt, dass man den Stil wählen sollte, der einem am besten gefällt und wobei man nicht die Lust verliert. (Bildquelle: Drew Dau/ unsplash)

Durch den komplexen Ablauf der Beinbewegung wird hier besonders die Muskulatur des vorderen und hinteren Oberschenkels beansprucht. Abgerundet wird dies durch Beanspruchungen in Bauch und Rumpf , die durch die typische Beinbewegung entsteht.

Ab wann sollte man Brustchwimmen lernen?

Laut einer Empfehlung des DLRG sollte man einen richtigen Schwimmkurs mit fünf Jahren beginnen. In der Schwimmsprache also der Übergang von Seepferdchen zu Bronze-Abzeichen. Erst ab dem Alter von fünf Jahren sind Kinder in der Lage ihre Atmung mit den verschiedenen Bewegungen zu koordinieren.

Die meisten Menschen haben nach etwa zehn bis zwölf Schwimmstunden das Schwimmen erlernt und sind sichere Schwimmer.

Es wird zudem empfohlen, seinen Kindern das Schwimmen nicht selber beizubringen, sondern sie zu einem Schwimmkurs mit ausgebildetem Trainer zu bringen. Eigene Fehler der Eltern, die gar nicht bemerkt werden, können so nämlich schnell an die Kinder weitergegeben werden.

Wie sieht das optimale Brustschwimmtraining aus?

Diese Frage hängt eng mit der Frage zusammen, welche Ziele man eigentlich mit dem Schwimmen erreichen will. Dr. Andreas Bieder von der Sporthochschule Köln stellt fest, dass wenn man einmal die Woche für eine halbe Stunde schwimmt, sich wohl kein positiver Effekt ausmachen lässt.

Geht man einmal in der Woche für eine halbe Stunde ins Wasser, wird man vermutlich wenige Effekte sehen.

Für Anfänger ist zu empfehlen zwei- bis dreimal die Woche ein Schwimmtraining zu absolvieren. Stellen sich erste Erfolge ein können Dauer und Intensität gesteigert werden. Denn anders als bei Sportarten ,die an Land ausgeführt werden, sind Bewegungen im Wasser über einen langen Zeitraum ausführbar.

Bei welchen Erkrankungen ist Brustschwimmen hilfreich?

Hier ein kleiner Überblick für gegen welche Erkrankungen Brustschwimmen bzw. Schwimmen allgemein helfen kann.

  • Diabetes
  • Herzerkrankungen
  • Übergewicht
  • Athritis

Bei Diabetes Herzerkrankungen und Übergewicht ist es so, dass allein durch die Bewegung und die Ankurblung des Kreislaufes diese Erkrankungen schon gelindert werden. Die Verbrennung von Kalorien beim Brustschwimmen kann sich positiv auf das Gewicht ausüben, was wiederum einen positiven Effekt auf die Diabetes haben kann.

Menschen, die unter Athritis leiden kann eventuell mit einer Therapie unter Wasser geholfen werden. So wurde in einer Studie im Indian Journal of Physiology und Pharmacology festgestellt, dass durch die Übungen im Wasser die Bewegungsfähigkeit der Probanden gesteigert wurde und zudem die Schmerzen dabei geringer waren (8, 9).

Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, dass Brustschwimmen bzw. Schwimmen im Allgemeinen gesund sind für den Körper. Durch die Bewegungen im Wasser entsteht ein Druck auf den Körper, wodurch zusätzlich das Lungenvolumen gestärkt wird und somit auch ein positiver Effekt auf  das Herz-Kreislauf-System erzielt wird.

Dabei werden zwar nicht so viele Kalorien, wie beim Joggen verbrannt, aber besonders beim Brustschwimmen wird die Muskulatur im gesamten Körper beansprucht. Dementsprechend eignet sich Schwimmen und besonders Brustschwimmen, mit Hilfe der richtigen Ernährung, durchaus auch um Gewicht zu verlieren.

Dabei ist jedoch zu beachten, dass gerade beim Brustschwimmen die richtige Ausführung ein komplizierter Vorgang ist. Menschen tendieren dazu ihren Kopf dabei ständig aus dem Wasser zu strecken, was zu Problemen mit der Wirbelsäule und dem Nacken führen kann.

Da die Beinbewegungen beim Brustschwimmen einen erheblichen Anteil ausmachen, sollten Menschen mit Knieproblemen sich eher für einen anderen Schwimmstil entscheiden.

Bildquelle: JonHoefer / pixabay

Einzelnachweise (9)

1. Georg Bergmann;Alwina Bender;Jörn Dymke;Georg Duda;Philipp Damm; et. al. Physical Activities That Cause High Friction Moments at the Cup in Hip Implants, in The Journal of Bone and Joint Surgery, 2018 Okt.
Quelle

2. Collins AC, Ward KD, McClanahan BS, Slawson DL, Vukadinovich C, Mays KE, Wilson N, Relyea G. Bone Accrual in Children and Adolescent Nonelite Swimmers: A 2-Year Longitudinal Study. Clin J Sport Med. 2019; 29: 43-48.
Quelle

3. Centers for Disease Control and Prevention (CDC), Health Benefits of Water-based Exercise
Quelle

4. Sable M. et al: Comparative Study of lung functions in swimmers and runners, in Indian Journal of Physiology and Pharmacology, 2012
Quelle

5. Charmas M. & Gromisz W.: Effect of12-week swimming composition in young women, in International Journal of Environmental Research in Public Health, 2019
Quelle

6. Excercise if weight loss: Calories burned in 1 hour, in Mayo Clinic, 2019
Quelle

7. Dr. Kutzner I. Die Belastung des Knie- und Hüftgelenks beim Schwimmen und bei der Wassergymnastik, in Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), 2017
Quelle

8. Mohammed Alkatan, Jeffrey R. Baker, Daniel R. Machin, Wonil Park, Amanda S. Akkari, Evan P. Pasha and Hirofumi Tanaka: Improved Function and Reduced Pan after Swimming and Cycling Training in Patients with Osteoarthritis, in The Journal of Rheumatology March 2016
Quelle

9. Yuan W.-X et al.: Effects of 8-week swimming training on carotid aterial stiffness and hermodynamics on young overweight adults in Biomed Eng Online, 2016
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

Klinische Studie
Georg Bergmann;Alwina Bender;Jörn Dymke;Georg Duda;Philipp Damm; et. al. Physical Activities That Cause High Friction Moments at the Cup in Hip Implants, in The Journal of Bone and Joint Surgery, 2018 Okt.
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Wissenschaftliche Untersuchung
Collins AC, Ward KD, McClanahan BS, Slawson DL, Vukadinovich C, Mays KE, Wilson N, Relyea G. Bone Accrual in Children and Adolescent Nonelite Swimmers: A 2-Year Longitudinal Study. Clin J Sport Med. 2019; 29: 43-48.
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Wissenschaftlicher Artikel
Centers for Disease Control and Prevention (CDC), Health Benefits of Water-based Exercise
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Wissenschaftliche Untersuchung
Sable M. et al: Comparative Study of lung functions in swimmers and runners, in Indian Journal of Physiology and Pharmacology, 2012
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Wissenschaftlicher Artikel
Charmas M. & Gromisz W.: Effect of12-week swimming composition in young women, in International Journal of Environmental Research in Public Health, 2019
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Klinische Studie
Excercise if weight loss: Calories burned in 1 hour, in Mayo Clinic, 2019
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Wissenschaftliche Untersuchung
Dr. Kutzner I. Die Belastung des Knie- und Hüftgelenks beim Schwimmen und bei der Wassergymnastik, in Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), 2017
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Klinische Studie
Mohammed Alkatan, Jeffrey R. Baker, Daniel R. Machin, Wonil Park, Amanda S. Akkari, Evan P. Pasha and Hirofumi Tanaka: Improved Function and Reduced Pan after Swimming and Cycling Training in Patients with Osteoarthritis, in The Journal of Rheumatology March 2016
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Wissenschaftlicher Artikel
Yuan W.-X et al.: Effects of 8-week swimming training on carotid aterial stiffness and hermodynamics on young overweight adults in Biomed Eng Online, 2016
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