Sportsucht
Zuletzt aktualisiert: 4. Juni 2021

Fußball, Turnen, Tennis, Handball, Reiten, Golfen und Schwimmen sind die beliebteste Sportarten in Deutschland. Sport spielt eine große Rolle in unserem Leben und hat eine wichtige gesellschaftspolitische und kulturelle Bedeutung. Im Alltag hilft Sport unseren Körpern ein stärkeres Immunsystem aufzubauen. Diejenigen, die häufiger Sport treiben und trainieren, haben auch eine bessere körperliche und geistige Gesundheit.

Nichtsdestotrotz kann übermäßiges Training negative physiologische und psychische Auswirkungen haben. Diese Probleme treten oft bei Athleten vor. Sie treten aber auch bei Menschen mit Essstörungen wie Magersucht und Bulimie vor. Doch wie kann man Sportsucht erkennen? In diesem Artikel werden wir dir alle Fragen zu den Ursachen, Symptome, Folgen und Formen von Sportsucht genauer erläutern.




Das Wichtigste in Kürze

  • Die Grenze zwischen Sportsucht und Sportbegeisterten ist sehr fein. Das Verhalten der Person sollte beobachtet werden.
  • Sportsucht treten bei Ausdauersport öfters vor. Sportler und junge Athleten haben ein höheres Risiko, an Sportsucht zu erkranken.
  • Sportsucht bei Essstörungen ist sehr gefährlich. Betroffenen sollten in der Therapie behandelt werden.

Sportsucht: Was du darüber wissen solltest

Regelmäßige körperliche Aktivität wie Sport und Training ist wichtig für die Gesundheit und Prävention von Krankheiten. Übermäßiges Training kann jedoch negative Auswirkungen auf die körperliche und geistige Gesundheit haben. In diesem Abschnitt erklären wir dir was Sportsucht ist und welche Symptome der Person zeigen kann.

Was ist Sportsucht?

Sportsucht ist eine Krankheit, indem Sport übertrieben gemacht wird. Betroffenen sind süchtig mit Sport und können dieses Verhalten nicht kontrollieren. Sie sind nicht immer zwanghaft, einen Wettbewerb oder eine Leistung zu erbringen. Die Personen sind besessen vom Sport und zeigen übermäßiges Training, das nachteilige Auswirkungen hat.

Sportsucht

Ausdauer Sportler können unter Sportsucht am schnellsten leiden. Sportsüchtigen können ihre Verhalten nicht erkennen. Daher brauchen sie Hilfe von Therapeuten. (Bildquelle: Chau Cédric / Unsplash)

Obsessive und übermäßige Training können missbraucht werden. Wenn die Person an Krankheit, Schmerzen oder Verletzungen leidet und dennoch Sport “durchzieht”, ist das Training gefährlich und kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben.

Wie entsteht Sportsucht?

Psychologische Studien erklären die Sportsucht in Bezug auf Belohnung, Gewöhnung, soziale Unterstützung, Stressabbau, Vermeidung von Entzug und Verringerung von Angstzuständen. (1)

  • Dopamin: Studien zeigen, dass Sport das Glückshormon Dopamin aktiviert. Diese Hormone können Stress reduzieren. Endorphine und Cannabinoide ist die Ursache für “high” oder euphorischen Gefühle, die zu Bewegungssucht führen können. (1)
  • Gene: Genetische Studien deutet hin, dass Gene, die Präferenz für Medikamente zeigen, auch die Präferenz für belohnende Verhaltensweisen wie Sport haben kann. (1)
  • Schönheits- / Fitnessidealen: Die Idee des perfekten Körpers, Gesichts und Aussehens und negatives Selbstwertgefühl kann zur Sportsucht führen. Die Betroffenen streben nach einem extremen Gesundheitsstil, der für Körper und Geist gefährlich sein kann.

Was sind die Folgen von Sportsucht?

Übermäßiges Training kann jedoch negative Auswirkungen auf die körperliche und geistige Gesundheit haben.

  • Körper: Exzessive Sport kann den Körper ermüden. Bei Atem- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann zu viel Sport zu Herzinfarkt führen. Oft werden Verletzungen, Schmerzen und Krankheiten ignoriert, was für den Körper sehr gefährlich sein kann. (2)
  • Geist: Wie andere Suchtsymptome, leiden die Menschen bei Sportsucht unter Entzugserscheinungen. Sie befinden sich  in einer depressiven Stimmung, verspüren innere Unruhe und Schlaflosigkeit. (2)

Wer ist beim Sportsucht gefährdet?

Hier führen wir dir auf, wer alles von einer Sportsucht betroffen sein kann.

  • Männer: Sportsucht treten häufig bei Sportlerinnen und Sportler vor, die bereits jahrelang trainieren. Personen, die Ausdauersport wie Triathlon, Laufen oder Radfahren machen, haben eine bessere Gefahr sportsüchtig zu werden. 4 – 5 % den Sportlern haben Chance an einer Sportsucht zu erkranken. (2)
  • Kinder: Jüngere Sportler und Triathleten, die häufig Sport treiben, sind besonders gefährdet. (2)
  • Mädchen: Sportsucht kommen oft bei Frauen mit Essstörungen vor. Normalerweise beschränken die Personen ihre Nahrungsaufnahme. Sie zeigen aber auch übermäßige Verhalten gegenüber Sport.

Was sind die Sportsucht Stufen?

Die Sportsucht ist Teil von kontinuierlichen Sport Aktivitäten. Die vier Phasen der Sucht entwickelt sich von Freizeitübungen, gefährdete Trainings, problematische Übungen und schließlich bis zu Sportsucht. (1, 3)

  • Sportsucht: missachten körperliche Signale und Gesundheit wie Schmerzen und Verletzungen
  • Sportsuchtgefährdung: haben die Kontrolle noch nicht verloren und achten noch auf körperliche Symptome

Was sind die Sportsucht Formen?

Sportsucht kann in verschiedenen Formen auftreten, sodass nicht immer gleich klar ist, um welche es sich handelt.

  • Primäre Sportsucht: Sport wird aufgrund der inneren Motivation selbst ausgeübt und nicht, weil der Person abnehmen möchte. (2)
  • Sekundäre Sportsucht hat eine Verbindung mit Essstörungen. Betroffene Menschen sind von ihrer Figur und ihrem Gewicht besessen. Sie möchten die Maße ihres Körpers kontrollieren und ändern, obwohl sie einen normalen BMI haben. (2, 10)

Was sind die Sportsucht Symptome?

Mit der folgenden Tabelle wollen wir dir einen Überblick geben, wie du Symptome von Sportsucht erkennen kannst.

Symptome Beschreibung
Zwanghaftigkeit Betroffenen zwingen sich Sport zu machen. Sie verzichten alle körperliche und gesundheitliche Signale und trieben Sport trotzdem weiter. (2)
Kontrollverlust Betroffenen können nicht aufhören Sport zu machen. Sie fühlen sich unsicher, wenn kein Sport gemacht wird. Ähnlich wie beim Alkohol oder Drogensucht können Sie ihre Verhalten selber nicht steuern. (4)
Verletzung Betroffene Menschen treiben Sport, obwohl sie an Verletzungen, Schmerzen und Krankheiten leiden. (4)
Intensität Betroffenen treiben zu viel Sport. Sie zwingen sich, immer intensiver und konstanter zu trainieren, auch wenn ihr eigener Körper es nicht mehr durchhalten kann. (4)
Depression Sportsüchtiger können unter Depression und Schlafstörungen leiden. Sie zeigen auch Nervosität und Schuldgefühle, wenn kein Sport gemacht wird. (4)
Soziale Kontakte Betroffene verzichten auf die Gesellschaft und den sozialen Umkreis. Alle Beziehungen zu Familie, Freunden und Arbeit werden vernachlässigt. Sport ist ihre erste Priorität. (4)

Wie viel Sport ist zu viel?

Regelmäßig Sport machen ist sehr gut für die Gesundheit. Dennoch soll man auf die Intensität und Häufigkeit achten, weil zu viel Sport gefährlich sein kann. Je nach Intensität des Sports sollte auch die Trainingszeit unterschiedlich sein. Es gibt Sport mit normaler, mittlerer und hoher Intensität. (5)

Vorteile
  • Normaler Sport: mind. 150 Minuten / Woche
  • Mittelintensiv: mind. 75 Minuten / Woche
  • Hochintensiv: mind. 60 Minuten / Woche
Nachteile
  • Normaler Sport: 9 &#8211
  • 10 Stunden / Woche
  • Mittelintensiv: 7 &#8211
  • 8 Stunden / Woche
  • Hochintensiv: 4 &#8211
  • 5 Stunden / Woche

Personen, die regelmäßig Sport treiben und die ideale Dauer beibehalten, können die Fitness Leistung maximieren und die Symptome der Sportsucht minimieren. Kurzes Training mit hoher Intensität hat den gleichen Effekt wie langes, mäßiges Joggen. (5)

Vorteile
  • Frequenz: 4 &#8211
  • 6 Mal / Woche
  • Erholungszeit: mind. einen Tag pro Woche
Nachteile
  • Frequenz: jeden Tag
  • Erholungszeit: keine Erholungszeit

Was bewirkt Sportsucht bei anderen Krankheiten?

Sowohl weibliche als auch männliche Athleten haben ein höheres Risiko, an eine Essstörung zu leiden. Dies gilt insbesondere für Sportler, die an Sportarten teilnehmen, bei denen ein geringes Körpergewicht oder eine geringe Muskelmasse einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. (6, 7)

Sportsucht

Sportsucht kann viele Ursachen haben. Die Person kann durch interne Motive beeinflusst werden. Gefährlicher ist, dass die Person auch an anderen Krankheiten (wie Essstörungen) leidet. (Bildquelle: Karsten Winegear / Unsplash)

Essstörungen sind auch bei Frauen und Mädchen häufig. Normalerweise beschränken die Personen ihre Nahrungsaufnahme. Sie zeigen aber auch zwanghaftes Verhalten gegenüber Sport.

Sekundären Sportsucht Beschreibung
Sportsucht bei Anorexie Magersüchtige reduzieren ihr Gewicht vor allem durch Hungern und Nahrungsverweigerung. Sie beschränken Kalorien und / oder überanstrengen sich im Sport, um niedrige Körper- und Fettmassen zu erreichen. (8)
Sportsucht bei Bulimie Bulimia nervosa ist gekennzeichnet durch Binge-Eating und kompensatorisches Verhalten (Erbrechen, Diäten). Ess-Brech-Süchtige kämpfen gegen eine Gewichtszunahme mit exzessivem Sport oder durch Abführ- und Entwässerungsmitteln. (9)

Fazit

Sport ist wichtig für die Gesundheit der Menschen. Jedoch ist es zu beachten, dass viel Sport nicht immer den Körper und Geist gut tut. Es ist sehr wichtig, eine Balance zwischen gesunder Ernährung und Sport zu finden. Man soll auf seinen Körper hören und nicht übermäßig trainieren. Die Erholungszeit ist genauso wichtig, weil sonst der Körper überlastet wird.

Extreme Sportabhängigkeit sollte dringend in der Therapie behandelt werden. Menschen mit anderen Krankheiten wie Essstörungen und die Symptome einer Sportsucht aufweisen, sollten ebenfalls behandelt werden. Für diese Personen ist es wichtig zu erkennen, dass ihr Körper unter übermäßiger Sport leidet, die negative Gedanken zu überwinden und das Limit zu wahrnehmen.

Bildquelle: Scott Webb / Unsplash

Einzelnachweise (10)

1. Weinstein A, Weinstein Y. Exercise addiction- diagnosis, bio-psychological mechanisms and treatment issues. Curr Pharm Des. 2014;20(25):4062-9. doi: 10.2174/13816128113199990614. PMID: 24001300.
Quelle

2. fau.de: FAU-Studie: Ausdauersportarten können abhängig machen Dr. Heiko Ziemainz, 12. Juni 2013.
Quelle

3. Freimuth M, Moniz S, Kim SR. Clarifying exercise addiction: differential diagnosis, co-occurring disorders, and phases of addiction. Int J Environ Res Public Health. 2011 Oct;8(10):4069-81. doi: 10.3390/ijerph8104069. Epub 2011 Oct 21. PMID: 22073029; PMCID: PMC3210598.
Quelle

4. Landolfi E. Exercise addiction. Sports Med. 2013 Feb;43(2):111-9. doi: 10.1007/s40279-012-0013-x. PMID: 23329605.
Quelle

5. Gottschall JS, Davis JJ, Hastings B, Porter HJ. Exercise Time and Intensity: How Much Is Too Much? Int J Sports Physiol Perform. 2020 Feb 28;15(6):808-815. doi: 10.1123/ijspp.2019-0208. PMID: 32365286.
Quelle

6. Sudi K, Ottl K, Payerl D, Baumgartl P, Tauschmann K, Müller W. Anorexia athletica. Nutrition. 2004 Jul-Aug;20(7-8):657-61. doi: 10.1016/j.nut.2004.04.019. PMID: 15212748.
Quelle

7. Iuso S, Bellomo A, Pagano T, Carnevale R, Ventriglio A, Petito A. Sport Activity as Risk or Protective Factor in Feeding and Eating Disorder. Behav Sci (Basel). 2019 Dec 6;9(12):143. doi: 10.3390/bs9120143. PMID: 31817763; PMCID: PMC6961013.
Quelle

8. Vardar E, Vardar SA, Kurt C. Anxiety of young female athletes with disordered eating behaviors. Eat Behav. 2007 Apr;8(2):143-7. doi: 10.1016/j.eatbeh.2006.03.002. Epub 2006 Apr 19. PMID: 17336783.
Quelle

9. Nagata JM, Carlson JL, Kao JM, Golden NH, Murray SB, Peebles R. Characterization and correlates of exercise among adolescents with anorexia nervosa and bulimia nervosa. Int J Eat Disord. 2017 Dec;50(12):1394-1403. doi: 10.1002/eat.22796. Epub 2017 Nov 7. PMID: 29112280; PMCID: PMC5761671.
Quelle

10. Baiano M, Salvo P, Righetti P, Cereser L, Baldissera E, Camponogara I, Balestrieri M. Exploring health-related quality of life in eating disorders by a cross-sectional study and a comprehensive review. BMC Psychiatry. 2014 Jun 4;14:165. doi: 10.1186/1471-244X-14-165. PMID: 24898768; PMCID: PMC4058000.
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

Wissenschatliche Studie
Weinstein A, Weinstein Y. Exercise addiction- diagnosis, bio-psychological mechanisms and treatment issues. Curr Pharm Des. 2014;20(25):4062-9. doi: 10.2174/13816128113199990614. PMID: 24001300.
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FAU-Studie: Ausdauersportarten können abhängig machen
fau.de: FAU-Studie: Ausdauersportarten können abhängig machen Dr. Heiko Ziemainz, 12. Juni 2013.
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Wissenschatliche Studie
Freimuth M, Moniz S, Kim SR. Clarifying exercise addiction: differential diagnosis, co-occurring disorders, and phases of addiction. Int J Environ Res Public Health. 2011 Oct;8(10):4069-81. doi: 10.3390/ijerph8104069. Epub 2011 Oct 21. PMID: 22073029; PMCID: PMC3210598.
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Wissenschatliche Studie
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Wissenschaftliche Rezension
Sudi K, Ottl K, Payerl D, Baumgartl P, Tauschmann K, Müller W. Anorexia athletica. Nutrition. 2004 Jul-Aug;20(7-8):657-61. doi: 10.1016/j.nut.2004.04.019. PMID: 15212748.
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Wissenschatliche Studie
Vardar E, Vardar SA, Kurt C. Anxiety of young female athletes with disordered eating behaviors. Eat Behav. 2007 Apr;8(2):143-7. doi: 10.1016/j.eatbeh.2006.03.002. Epub 2006 Apr 19. PMID: 17336783.
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Wissenschatliche Studie
Nagata JM, Carlson JL, Kao JM, Golden NH, Murray SB, Peebles R. Characterization and correlates of exercise among adolescents with anorexia nervosa and bulimia nervosa. Int J Eat Disord. 2017 Dec;50(12):1394-1403. doi: 10.1002/eat.22796. Epub 2017 Nov 7. PMID: 29112280; PMCID: PMC5761671.
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Wissenschaftliche Rezension
Baiano M, Salvo P, Righetti P, Cereser L, Baldissera E, Camponogara I, Balestrieri M. Exploring health-related quality of life in eating disorders by a cross-sectional study and a comprehensive review. BMC Psychiatry. 2014 Jun 4;14:165. doi: 10.1186/1471-244X-14-165. PMID: 24898768; PMCID: PMC4058000.
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